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I

von Halles Sie ist des Blutes Ruf, der für die Kleinen fleht.
Und unser Innerstes, so bald er spricht, umdreht.
Ja, auch dem Himmel zu gehn ihre reine Flammen,
Sie leitet uns zu Gott, aus dessen Hand sie stamme«.
Ihr Trieb zieht ewiglich, dem Liebenswürd'^en zu
Und ftndt erst im Besitz des höchsten Gutes Ruh.

Noch weiter wollte Gott, für unsere Schwachheit

sorgen;

Sin wachsames Gefühl liegt in uns selbst verborgen,
Das nie dem Uebel schwelgt, und immer leicht versehtt,
Zur Rache seiner Roth den ganzen Leib empört.
Im zärtlichen Gebäu von wunderkleinen Schläuchen,
Die jedem Theil von uns die Kraft und Nahrung reu
chen,

Brach' alles Uebermaß den schwachen Faden ab.
Und die Gesundheit selbst führt unvermerkt ins Grab.
Allein im weichen Mark der zqrren Lebenssehnen
Wohnt ein geheimer Reiz, der zwar ein Brunn der
Thrünen,

Doch auch des Lebens ist, der wider einen Feind,
Der sonst wohl unerkannt uns auSzuhölen meint.
Uns zwingt zum Widerstand, erschließt die regen Ner«
ven

Vor Frost und Salze zu, verflöget alle Schärfen
Durch Zuflucht süßes Safts, und kühlt gesalznes Blut
Durch Zwang vom heißen Durst, mjtStrömen dünner
Fluch;

In allen Arten Nolh, die unsere Glieder fäuler,

Ist Schmerz der bittre Trank, womit Natur uns heilet.

Weit nöthiger liegt noch im Innersten von uns
Der Werke Richterin, der Prvbstein unsers Thuns.
Vom Himmel stammt ihr Recht; er hat in dem G«
wissen

Die Pflichten der Natur den Menschen vorgerissen.
Er grub mit Flammenschrift in uns des Lasters Scheu,
Und ihren Nachgeschmack, die bittre Kost der Reu'.
Sin Geist wo Sünde herrscht, ist ewigohne Frieden,
Sie macht uns selbst zur Höll', und wird doch nicht g«
mieden. .

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von Hagedorn.

(Sben, bei der Satire, ist schon seiner rnsratischtn Gedichte erwähnt worden 5 die zwar nicht ganz so stark und gedankenschwer/ wie die Hallerischen find; aber immer doch treffliche Arbeiten eines philosophischen Kopfes, von edenn «nd sorgfältig gefeiltem Ausdruck. Folgendes, hier ganz ciii! gerückte, Gedicht ist darunter das erste und schönste, und wurde schon im 1.1745 zuerst einzeln gedruckt.)

Aus dem Gedichte: Die Glückseligkeit;

A wie beglückt ist der, auf dessen reine Tchätze Nicht Fluch noch Schande fällt, noch Vorwurf der W setze,

Der aus dem Ueberfluß, den er mit Recht besitzt,
Der Armen Blöße decke, und ihre Häuser stützt.
Die Künstler kennt und hegt, mit seinem Beistand <>?
let,

Und mit gewohnter Hand des Kummers Wunden hev

let!

Vor ihm verlieren sich die Zähren banger IZoth.
Die Milde seiner Huld entfernt der Greisen Töd>
Zieht ihre Kinder auf, die Väter zu verpflegen,
Und wird ein Gegenständ von ihrem letzten Segens
Die Lust an aller Wohl beseelet, was er thut.
Es ist sein Eigenthnm eitt allgemeines Gut.
Es überfließt sein Herz, der innre Freund der Armen,
Von reger Zärtlichkeit, von göttlichem Erbarmen.

Ja! Titus irrte nicht: Der Tag ist zu bereu», An welchem wir durch nichts ein leidend Herz erfreue Als Bürger einer Welt sind wir dazu verbunden; Verloren ist der Tag, und schändlich sind die Stunden, Die, wann wir fähig sind, Bedrängten beizustehn, Beim Anblick ihres Harms uns unempfindlich sehn;

sSan»

Wann Mitleid, Lieb und Huld mit Seufzern sich ver- A Hagedorn^ schleichen,

Zn enge Winkel sliehn, und dir, an Falschheit , gleü chen,

Du Rath der Heiligen, die stolze Denmth krümmt Z Zunft,! die den Brüdern schenkt, was sie den Menschen nimmt:

Die mit der frommen Hand, die sich zur Andacht fal,
ttt,

Nach ihrem inner« Licht das Zeitliche vermalt«,
Die Jünger feister macht, sonst alle von sich stößt>
Die Nackenden vekleidt, Bekleidete entblößt,
Nur philadelphisch liebt, in allem, was geschieh«,
So schlau, als Saim-Cyran, *) den Finger Gottes sie,
, . h«, ,

Sich für sein Häuflein schätzt, und falscher Bilder voll>
Die Welt ein Babel nennt, dem man nichts opfern
so».

Der Allmacht mildre Gunst zeigt sich in jedem

Falle;

Nichts schränkt ihr Wohlthun ein; ihr Segen strömt auf alle.

Der, dessen kleines Herz, nach klügelndem Bedacht, Da« Brod, das er verschenkt, recht schwer und steinern macht,

Gleicht Neidern fremden Glücks, die selbst kein Glück verdienen,

Vrrläugnen der Natur «nd hündischen Gruphinen.

Die Bäarschaft, die zu sehr an kargen Fäusten
klebt,

Nur ihrem Hüter lacht, der stets nach mehren« strebt;

Der

Der Abt von St. Lxran ift aus dem jZavle und den Geschichten der neuen Meinungen, Andachten, Wunder und Erscheinungen bekannt, «eiche in dem vorigen Jahrhundert die Einsiedler des Klosters Port-Rsxalso berühmt gemacht haben.

Hagedorn. Der Rcichthum, der vertheilt so vielen nützen würde, "Und aufgeihürmtes Gold sind eine todre Bürde,

Bis sie ein Menschenfreund, den nicht ihr Schein er,' gStzt,

Zu vieler Glück beseelt und in Bewegung setzt.

Die Kunst versteht Fattll, der. Großen nachzuahi
wen,

Neichow'äflich kauft und baut, und einen edlen Namen,
Nach oem sein Diener oft so edel ist als er,
Durch Aufwand edler macht, und zu vergessen schwer.
Er lebet ritterlich, und seines Reichthums Quellen
Verrauschen schnell und stark, gleich jenen Wasserfällen,
Die seiner Gärten Schmelz durch Kosten eitler Pracht,
Weit mehr, ale durch Geschmack, berühmt und stolz ge?
'macht:

Wo in Cybelens Mund sich Schaum und Strahlen
krümmen,

Die Liebesgötter spein und Huldgöttinnen schwimmen,
Und in dem Grottenwerk, das eine Fama stützt,
Vulcan im Schwall erstarrt, Neptun im Trocknen
sitzt.

Vielleicht verkleidet er, den Pöbel zu verblenden.
Den unbemerkten Geiz in schimmerndes Verschwenden,
ö nein! der Schmeichler Lob bläht seinen Uebermuth,
Und seine Hossart wirkt, was nie sein Mitleid thut.
Sein Stolz hilft andern auf, weil sie ihn glücklich nein

nen> . .

Und ist den Künsten hold, auch ohne sie zu kennen.
Er. stimmt die Tugenden der spröden Sängerin^
Trog aller Heischerkeit, trotz allem Eigensinn;
Bereichert durch den Preis, den er Verdiensten zichl«,
Die Nadel, die ihm stickt, den Pinsel, der ihn mahlet;
Und was er andern nicht an baarer Gunst erweist.
Das ziehet, der ihm baut, und der ihm niederreißt,
Und stets mit blindem Fleiß, so bald er es besiehlet.
In Kammern 'Vflaster seht, und nur die Säle dkehlet.
Ihm stellt ins Schlafgemach, das er allein erfand.

Die Säulenordnung Rom, Paris die Srnegelwand,

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