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von Halbe r> .vsn^a»«.,

(Immer noch steht dies« in so manchem Betracht eim jige Mann an der Spitze unsrer Lehrdichter; an Wohllaut? und Anmuth de< Vortrages schon oft übertroffen, aber a» Gedankenfülle, Gedrungenheit und Eindringlichkeit nieganj erreicht. Ueber den ganzen Plan des so herrlichen Gedichts, über den Ursprung des Uebels/ und die Schönheiten i» dessen,Ausführung, »ergleiche man Dusch's Briefe/ Th. U, ». A. Br. xxiu.)

Ueber den Ursprung des Utbelß,.
Zweites Buch. >

«Zm Anfang jener Zeit, die Gott allein, beginn«,
D^ ewig ohne Quell und unversiegen rinnet,
Gefiel G^t eine Welt, wo, «ach der Weisheit Rath,
Die Allmacht und die Huld auf ihren Schauplatz trat^
Verfchiedner Welten Riß lag vyr ihm ausgebreitet.
Und age Möglichkeit war ihm zur Wahl bereite.!:
Allein die Weisheit gieng auf die Vollkommenheit;
Der Welten trefflichste erhielt die.Würklichkeit.
Befruchtet mit der-Kraft des wesenreichen Worts«
Gebart das alte Nichts; den Raum des.öden Ortes.
Erfüllt verschiedener Zeug^ den regende Gewalt
Erlieft, trennet, mischt, und sammlet in Gestalt.
Das Dichte zog. sich an, das Licht und Fcuer rönnen^
Es nahmen ihren Platz die neugeborne» Sonnen.
DK Welten wälzten sich., und zeichneten ihr Gleiß,.
Stets flüchtig, stets gesenkt, in den befohlnen Kreiß,
GM sah und fand es gut; allein das stumme Dichte,
Hat kein Gefühl von Gott, noch Theil an seinem
Lichte.

Ein Wesen fehlte noch, dem Gott sich zeigen kann;
Gott bließ, Wh ei« Pegriff nahm Kraft und, Wese»

an.'

vsn^atter^So ward die Geisterwelt verschiedener Macht und Eh«, ^ Verchellc, ^ch Stufenart, die unzählbaren Heere, Die, ungleich satt von Glanz des mitgetheilten Lichts, In langer Ordnung steh« von Gott zum öden Nichts. Nach der verschiedenen Reih von fühlenden Gmüi thern

Vertheilre Gott den Trieb nach angemeßnen Gütern:
Der An Vollkommenheit ward als zum Ziel gesteckt,
Wo aller Geister Wunsch aus eignem Zuge zweckt:
Doch hielt den Willen nur das zarte Band der Liebe,
So daß zur Abart selbst das Thor geöffnet bliebe.
Und nie der Sinn so sehr zum Guten sich bewegt,
Daß nicht sein erster Wink die Wagschal überschlägt.
Denn Gott liebt keinen Zwang. Die Welt mit ihm
Mängeln

Ist besser, als ein Reich von willenlosen Engeln.
Gott hält für ungethan, was man gezwungen thut,
Der Tugend Uebung selbst wird durch die Wahl «ff
gut.

Gott sah von Anfang wohl, wohin die Freiheit führet,
Daß ein Geschöpf sich leicht bei eignem L'cht verlieret,
Und ein gemeß'ner Geist nicht stets die Kette findt,
Die den besondern Satz an den gemeinen bindt.
Der Güter ächter Preis ist allzuschwer zu setzen.
Von zweien Streitigen, wer kann den Borzug schik
tzen?

Wer ists, der allemal der Neigung Stufe mißt,
Wo nur das Mittel gut, sonst alles Laster ist?
Kein endlich Wesen kennt das Mitsein aller Sachen,
Und die Allwissenheit kann erst unfehlbar machen.
Gott sah dich alles wohl; und doch schuf er die Well!
Kann etwas weiser sein, als das was Gott gefallt?
Gott, der im Reich der Welt sich selber zeigen wollte,
Sah, daß, wenn alles mir aus Vorschrift Handel»
sollte,

Die Welt ein Uhrwerk w>rs, von fremdem Trieb b«
stell,

Und keine Tugend blieb, wo Macht zum Laster fehlt.
Gott wollte, daß wir ihn aus Kennmiß sollten lieben,
Und nicht aus, blinder Kraft von ungewählten Triebe»,

El Er gönnte dem Geschöpf den unschätzbaren Ruhm, <."^^5^ Aus. Wahl ihm hold zu sein, und nicht aus Eigens thum.

Der Thaten Unterschied wird durch den Zwang geh«

den; ,

Wir loben Gott nicht mehr, wann er uns zwingt zu los
den.

Gerechtigkeit und Huld, der Gottheit Arme, ruhn, -'
So bald Gott alles wirkt und wir nichts selber thun.
Drum überließ auch Gott die Geister ihrem Willen,
Und dem Zusammenhang, woraus die Thaten quillen;
Doch so, daß seine Hand der Welten Steur bekielt.
Und der Natur ihr Rad muß steh», wann er befiehlt.
So kamen in die Welk die neuerschaffnen Geister,
Vollkommenes Geschöpf von dem vollkommnen Mei,
fter;

In ihnen ward noch nichts, das nicht zum Guten trieb;
Kein Zug der an die Stirn nicht ihren Ursprung«
schrieb,

Ein Jedes Einzle war in seiner Art pollkommen;
Dem war wohl mehr verliehn, doch jenem nichts be«
Nvmmen.

Der einen Wesen ward vom Irdischen befreit;
Sie blieben näher Gott an Art und Herrlichkeit.
Euch kennt kein Sterblicher, ihr himmlischen Naturen, .
Von eurer Trefflichkeit find in uns wenig Spuren;
Nur dieses wissen wir, daß über uns erhöht,
Ihr auf dem ersten Platz der Reih der Wesen steht.
Vielleicht empfangen wir, bei trüber Dämmerung Klar«
heit.

Nur durch fünf Oeffnungen den schwachen Strahl der

Wahrheit,
Da ihr bei vollem Tag das heiicre Gemüth
Durch tausend Pfonen^üilr, und alles an euch steht.
Daß, wie haS Licht für uns .erst wird mit unfern Au/

ge» , ,

Ihr tausend Wesen kennt, die wir zu sehn nicht tam

gen;

Und wie sich unser Aug' am Kleid der Dinge stößt,
Vor eurem scharfen Blick sich die Natur entblößt,

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^>sn/zaller^. Vielleicht findt auch bei uns der Eindruck der Begriffe
^ Im allzuseichken Sinn nicht, gimg Gehalt und Tiefe;
D« bei euch alles hafft, und, sicher vor der Zeit,
Sich die lebhafte Spur, so oft ihr wünscht, verneut.
Vielleicht, wie unser Geist, gesperrt in enge Schra«
'ken.

Nicht Platz genug enthält zugleich für zwei Gedanken,
In euch der offne Sinn des Vielen fähig ist.
Und den zu breireu Raum kein einzler Einbruch mißt.
Doch.unser Wissen ist hierüber nur Vermuthen;
Genug der Engel Sinn wqr ausgerüst't zum Guten,
Ihr Trieb zur Tagend ^«r so stark als ihr Verstand,
Sie sehnten sich nach^Gott als ihrem Vaterland,
UM en?iglich bemüht mit Loben und Verehren,
War all ihr Wunsch, ihr Licht zu Gottes Ruhm i«
mehren.

Fern, unter ihnen hat das sterbliche Geschlecht,
Im Himmel und im Nichts sein doppelt Bürgerrecht;
Aus ungleich festem Stoff hat Gott es auserlesen,
Halb zu der, Ewigkeit, halb aber zum Verwesen,
Zweideutig Mittelding von Engeln und vom Vieh!
Es überlebt sich selbst, es stirbt, und stirbet nie.

Auch wir sind M gewest. Der Welt beglückte I«
gend

Sah nichts, so weit sie war, als Seligkeit und T«
gend;

Auch in uns prägte Gott sein majestätisch Bild z
Er schuf uns etwas mehr, qls Herren vom Gemild.
Er legte tief in uns zwei unterschiedene Triebe,
Die Liebe, für sich selbst, und. seines Nächsten Liebe.

Die eine, niedriger, doch datnals yhne Schuld
Ist der fruchtbare Quell von Arbeit und Geduld:
Sie schwingt den Geist empor, sie lehrt die Ehre Kv
mn,

Sie zünd't das Feuer an, womit die Helden brennen,
Und führt im steilen Pfad, wo Tugend Dornen streu!,
Den weltvergeßne» Sinn^ nach der Vollkommenheit-,

Sie «acht für unser Heil, sie lindert unfern Kummer, ^von Haller. Versöhnt uns mit uns selbst, und stört des Trägen ^

Schlummer; Sie zeiget uns, wie Heut für Morgen forgen muß Und speiset ferne Noch mit alrem Ueberfluß; Sie dämpft des Kühnen Wurh, sie wassnet die Verzagt ,

ten;

Sie macht das Leben Werth im Auge der Geplagten;
Sie sucht im rauhen Feld des Hungers Gegengift;
Sie kleidet Nackende vom Raub der fetten Trift;
Sie bahnete das Meer zur Beihülf unsers ReisenS,
Sie fand den ersten Brand im Zweikampf Stein und
Eisens;

Sie grub ein Erz hervor, das alle Thier« zwung,
Sie kocht aus einem Kraut der Schmerzen Leichrerung z
Sie spähte der Natur verborgne Eigenschaften;
Sie waffnere den Sinn mit Kunst und Wissenschaften.
O! daß sie doch so oft, vor zartem Eifer blind,
Zn eingebilstem Glück ein wirklich Elend sindt!

Viel edler ist der Trieb, dtt uns für andre rühret; Vom Himmel kömmt sein Brand, der keinen Rauch g« bieree;

Von seinem Ebenbild, das Gott den Menschen gab«
Drückt deutlicher kein Zug sein hohes Urbild ab.
Sie, diese Liebe, war des Menschen erste Kette,
Sie macht uns bürgerlich, und sammlet uns in Städte,,
Sie öffnet unser Herz beim Anblick fremder Noch,
Sie theilt mit Dürftigen ein gern gemißtes Brod,
Und wirkt in uns die Lust von Titus oft verlanget,
Wann ein verwandt Geschöpf von uns sein Glück env
pfänget.

Die Freundschaft stammt von ihr, der Herzen süße Kost,
Die Gott in so viel Noch uns gab zum letzten Trost;
Sie steckt die Fackeln an, bei deren holden Scheinen
Zu beider Seligkeit, zwei Seelen sich vereinen.
Das innige Gefühl, des Herzens erste Schuld
Ist ein besondrer Zug der allgemeinen Huld,
Sie ist, was tief in uns für unsere Kinder lodert,
Sie macht die Müh zur Lust, die ihre Schwachheit f«
de-tt

Sie

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