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Drittes Buch.

Das klassische Beitalter.

I aine, Gesch, der engl. Literatur. II.

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Erstes Kapitel.

Die Restauration.

1. Die Lebemänner. Wenn man nacheinander die Werke der Hofmaler Karls I. und Karls II. betrachtet, wenn man die edlen Gemälde eines Van Dyk verläßt, um die Bilder eines Lely) zu beschauen, so ist der Sturz ein jäher und tiefer: wir verließen einen Palast und fallen in ein Bordell.

An Stelle jenes stolzen, ruhig vornehmen Lords, der, obgleich Hofmann geworden, doch den Edelmann nicht verläugnen kann; an Stelle jener edlen, feinen und doch so einfachen Damen, die Fürstenhoheit und Jungfräulichkeit in sich vereinen; an Stelle jener großherzigheroischen, elegant geschmückten Gesellschaft, die, noch umstrahlt vom Glanze der Renaissance, doch schon die Verfeinerung der modernen Zeit durchblicken läßt – trifft man auf gefährliche, zudringlich herausfordernde Buhlerinnen mit gemeinen, widrigderben Zügen, jeglichen Schamgefühls, jeglicher Reue bar.*) Ihre fleischigen, vollen, weichen Hände tändeln mit ihren Grübchenfingern; eine schwere Lockenfülle wallt über ihre vollentblößten Schultern; sinnliche Augen schmachten in verlockender Glut, ein mattes Lächeln umspielt ihre wollustathmenden Lippen. Die eine bindet die Wellen üppigen Haares auf, das ungefesselt auf den rosigen, fein gewölbten Busen herabwallt; die andre öffnet in schmacytender Selbstvergessenheit und nachlässiger Haltung

*) Bergl. insbesondre die Porträts der Lady Mooreland, Lady Williams, der Gräfin Disory, der Herzogin von Cleveland, der Lady Price u. a.

einen Aermel, dessen weiche, tiefe Falten uns einen schneeweißen Arm enthüllen. Fast alle sind nur halb angekleidet, manche scheinen eben

erst das Bett verlassen zu haben; das zerknitterte Nachtgewand um= foließt evg: zer

: Håls und scheint zerstört und beschmußt durch eine wilde nächtliche Orgie; der zerdrückte Unterrod gleitet über die Hüften, ima ihre Frechen zestniftern die schillernde, glänzende Seide. Obgleich ihr Busen schamlos entblößt, so schmücken sie sich doch frech wie die Dirnen mit sinnlich überladener Pracht: Diamantengürtel, bauschige Spigen, glänzende Goldspangen, rauschende, mit schweren Stickereien besetzte Stoffe, ein ungeheurer Haarschmuck, dessen üppig flutende Lockenfülle durch die frech zur Schau gestellte Pracht den Blick herausfordernd auf sich zieht. Kunstreich gefaltete Vorhänge fallen herab in Form einer Nische, und die Augen tauchen finnend durch einen Ausblick in die stillen Baumalleen eines weiten Barkes, dessen Abgeschiedenheit ihren sinnlichen Lüsten gelegen sein wird.

I.

Die Ausschreitungen des Puritanismus. Wie sie die Ausschreitungen der

Sinnlichkeit berbeiführen.

Aules dies war nur durch den Gegensatz hervorgerufen: der Puritanismus hatte die Orgie herbeigeführt, die Fanatiker hatten die Tugenden in Verruf gebracht. Jahre lang hatte die düstre, mit religiösen Wahngebilden angefüllte Phantasie des englischen Volkes das menschliche Leben verödet. Das Gewissen war beunruhigt worden bei dem Gedanken an den Tod und an eine dunkle Ewigkeit, schwer ängstigende Zweifel breiteten sich aus wie üppig wucherndes Dorngestrüpp, und endlich war es dahin gekommen, daß das Kranke Herz, bei jeder tiefern Regung erzitternd, Ekel vor seinen Freuden und Abscheu vor seinen natürlichen Trieben empfand. So in seiner Quelle vergiftet ward das göttliche Gefühl der Gerechtigkeit verkehrt zu traurigem Wahnsinn und Aberwig. Der Mensch, unläugbar verderbt und verdammt, glaubte sich eingeschlossen in einen Kerker der Sünde und des Lasters, wohin weder durch eigne Kraft noch durch Zufall ein Lichtstrahl bringen könnte, wenn nicht die gütige Hand der

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