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Radje, Rache gib

Deinem w.dren Heer!
Blick auf, wie die Schaar die Fadeln dwingt,

Wie sie winkt auf Bersepolis hin,
Auf falscher Götter stolze Tempel hin.

Es jauchzen die Krieger vol trunkner Wuth *).

Sie ergreifen die Fadeln und eilen fort, Thais voran, und die neue Helena zündet ein neues Ilion an. So besänftigte, begeisterte, beherrschte die Musik ehemals die Menschen. Die Verse Drydens zeigen in dieser Schilderung wieder seine dichterische Kraft.

X.

Das Ende Dryden's.

Seine Noth. Seine Armuth. Worin die Uns vollständigkeit seines Werkes besteht. Sein Tod. Das war eines seiner legten Werke; so glänzend und poetisch es auch ist, es war in den traurigsten Verhältnissen entstanden. Der König, für den er gedichtet hatte, war entthront und verjagt, die Religion, die er angenommen, verachtet und unterdrückt; als Katholik und Royalist gehörte er einer besiegten Partei an, welche von dem Volfe mit Groll und Mißtrauen als die natürliche Gegnerin der Freiheit und der Vernunft betrachtet wurde. Er hatte die beiden

*) Now strike the golden lyre again:

And louder yet, and yet a louder strain.
Break his bands of sleep asunder,
And rouse him, like a rattling peal of thunder.
Hark, hark, the horrid sound

Has rais'd up his head,

As awak'd from the dead,
And amaz’d, he stares around.
Revenge! revenge! Timotheus cries,

See the furies arise!
See the snakes that they bear,

How they hiss in the air!
And the sparkles that flash from their eyes!

Behold a ghastly band,

Each a torch in his hand:
These are Grecian ghosts, that in battle were slain,

And unbury'd remain
Inglorious on the plain:

Stellen verloren, welche ihm den Lebensunterhalt gewährten; er mußte mit seiner zahlreichen Familie elend sein Leben fristen, er war genöthigt, seine Söhne im Auslande zu unterstüßen und einen groben Buchhändler, der ihn als Lohnarbeiter behandelte, um Geld zu bitten, um eine Uhr bezahlen zu können, welche man ihm nicht auf Credit überlassen wollte; er bat Lord Bolingbroke, ihn gegen die Beleidigungen des Krämers Tonson zu schützen, der ihn schmählich behandelte, wenn die versprochene Seite nicht bis zum festgesepten Termine fertig war. Seine Feinde verfolgten ihn mit Pamphleten; der Puritaner Collier geißelte rücksichtslos seine Lustspiele. Man verdammte ihn mitleidslos und mit gutem Gewissen. Er war seit langer Zeit krank und gebrechlich, genöthigt viel zu schreiben und seine Schmeicheleien zu übertreiben, um von den Großen das unumgänglich nothwendige Geld zu erhalten, das die Verleger ihm nicht gewährten *).

„Was Virgil in voller Manneskraft, im Ueberfluß und mit Muße fchrieb, habe ich am Abend meines Lebens zu übersetzen unters nommen, kämpfend mit Noth, niedergebeugt durch Krankheit, beengt in meinem Genius, Mißbeutungen ausgesetzt bei Adem, was ich schreibe; und falls meine Richter nicht sehr unparteiisch sind, sind sie schon im Voraus gegen mich eingenommen durch das verläumderische Bild, das man von meinem Charakter entivorfen hat" **).

Obgleich er für sich eingenommen war, wußte er wohl, daß sein Verhalten nicht immer ein würdiges gewesen und daß nicht alle seine Schriften von bleibendem Werthe seien. Geboren zwischen zwei

Give the vengeance due

To the valiant crew:
Behold how they toss their torches on high,

How they point to the Persian abodes,
And glitt'ring temples of their hostile gods!

The princes applaud with a furious joy,
And the King seiz'd a flambeau with a zeal to destroy.

Thaïs led the way,

To light him to his prey,
And, like another Helen, fir'd another Troy.

*) Man bezahlte ihm für zehntausend Verse 250 Guineen.
**) Boftfcriptum der Uebersegung der Virgil.

Epochen, schwankte er zwischen zwei Lebens- und Geistesformen hin und her, ohne die Vollendung auch nur einer erreicht zu haben; er hatte die Schwächen beider bewahrt, ohne in den Sitten seiner Umgebung einen seines Charakters würdigen Halt, ohne in den Ideen seiner Umgebung einen seines Talentes würdigen Stoff gefunden zu haben. Wenn er die Aritik und den guten Stil eingeführt hat, so hatte diese Kritik nur in pedantischen Abhandlungen und in unzusammenhängenden Vorreden eine Stelle gefunden; dieser gute Stil hatte sich in schwülstige Tragödien verirrt, war in vielfachen Uebersegungen, Gelegenheitsschriften, bestellten Oden und Parteigedichten zerstreut und verbreitet und fand nur selten eine Begeisterung, die ihn gebrauchen, einen Stoff, der ihn heben konnte. Welche Anstrengungen für eine so armselige Wirkung! Das ist das natürliche Loos des Menschen. Und zuleyt naht der Schmerz und die Todespein. Schon lange ließen ihm ein Blasenleiden und die Gicht keine Ruhe; er bekam an einem Bein die Rose. Im April des Jahres 1700 versuchte er auszugehen; eine kleine Entzündung am Fuße wurde brandig; man wollte eine Amputation vornehmen, er aber meinte, daß das, was ihm an Gesundheit und Glück bleiben würde, dieser Mühe nicht werth sei. Er starb im Alter von neunundsechzig Jahren.

Drittes Kapitel.

Die Revolution.

I.

Die moralische Revolution des fiebzehnten Jahrhunderts. Sie geht Hand in

Hand mit der politischen Revolution. Mit dem Jahre 1688 erscheint in England ein neuer Geist. Die moralische Revolution begleitet langsam und allmählich die sociale: Der Mensch ändert sich zugleich mit dem Staate, in derselben Ridtung und aus denselben Ursachen; der Charakter paßt sich den Verhältnissen an, und nach und nach bemerken wir in den Sitten und in der Literatur die Herrschaft eipes ernsten, reflectirenden, moralischen, der Leitung und Unabhängigkeit fähigen Geistes, der allein eine Con= stitution stüßen und vollenden kann.

II.

Robeit des Voltes. Der Sin. Die Rivolten. Corruption der Vornehmen. Politische Sitten. Verräthereien unter Wilhelm III. und Anna.

Bestechlichkeit unter Walpole und Bute. Das Privatleben. Die Leben männer. Die Atheiften. Chesterfield's Letters. Seine Feinheit und seine Morar. The Beggar's Opera“ von Gay. Seine Eleganz und seine

Satire.

Das geschah jedoch nicht ohne Mühe, und auf den ersten Blick scheint es, als ob England bei dieser Revolution, auf die es so stolz ist, nichts gewonnen habe. Der Anblick der Dinge unter Wilhelm, Anna, Georg I. und Georg II. ist abstoßend. Man ist versucht, dem Urtheile Swifts zuzustimmen und zu sagen, daß, wenn er einen Yahco

geschildert hat, er es konnte, weil er ihn gesehen hat; nackt oder in glänzender Carrosse, der Yahoo ist nicht schön. In den höheren Kreisen sieht man nur Corruption, in den niederen nur Roheit; eine Schaar von Intriganten leitet einen thierisch gemeinen Pöbel. Die menschliche Bestie, durch politische Leidenschaften entflammt, bricht in wüsten Lärm und in Gewaltthätigkeiten aus, verbrennt den Admiral Byng in effigie, verlangt seinen Tod, will sein Haus und seinen Park zerstören, schwankt von Bartei zu Partei und scheint in ihrer blinden Wuth bereit, die bürgerliche Gesellschaft zu vernichten. Als der Doctor Sacheverell vor Gericht gestellt wurde, so folgten ihm unter fanatischem Wuthgeheul die Fleischergesellen, die Gassen- und Essenkehrer, die Obsthändler, die Straßenbirnen, der ganze Janhagel, der die Kirche in Gefahr wähnte, und am Abend machten sie sich daran, die Gotteshäuser der Dissidenten zu verbrennen und zu plündern. Als Lord Bute der öffentlichen Meinung zum Trot an die Stelle Bitt's trat, so wurde er mit Steinwürfen verfolgt und war genöthigt, seinen Wagen mit einer starken Escorte zu umgeben. Bei jedem politischen Ereigniß hört man ein aufrührerisches Geheul, sieht man Ercesie, Faustschläge, eingeschlagene Schädel. Es ist noch schlimmer, wenn das persönliche Interesse des Volkes mit in's Spiel kommt. Der Gin war im Jahre 1684 erfunden worden, und ein halbes Jahrhundert später consumirte England 7 Millionen Gallonen *). Die Schenkwirthe luden auf ihren Schildern das Publicum ein, zu kommen und sich für einen Penny zu berauschen; für zwei Benny konnte man sich schwer betrinken; außerdem das Stroh gratis; der Wirth schleppte die, welche umfielen, in einen Keller, wo sie ihren Rausch ausschlafen konnten. Man konnte ¡nicht in den Straßen London's gehen, ohne auf elende Wichte zu stoßen, die starr und wie tobt auf dem Pflaster lagen und nur durch das Mitleid der Vorübergehenden vor dem Ersticken im Rothe oder dem Ueberfahren durch die Wagen bewahrt wurden. Man wollte durch eine Steuer dieser Raserei Einhalt thun, es war vergeblich; die Richter wagten nicht zu verurtheilen, die Denun= cianten wurden ermordet. Die Kammer gab nadh, und Walpole, der

*) 1742. Bericht des Lord Lonsdale.

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