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zu Tische, hat ein Schod Kaufleute in seinem Vorzimmer warten und einen Ges richtsdiener hinter dem Stuhle eines jeden Gastes.

Und ferner:*)

Sir B.: Mr. Surface, ich hatte nicht die Absicht, Sie zu beleidigen, aber verlassen Sie sich darauf, Ihr Bruder ift verloren.

Crab: So gewiß, als jemals einer verloren war; er kann keine Guinee mehr aufborgen.

Sir B.: Er hat alles vermöbelt.

Crab: Bis auf ein Dußend leere Bouteillen und die Familiengemälde, die aber alle in der Wand feftfißen.

Sir B.: E8 thut mir leid, daß die Leute außerdem soviel Bifes von ihm sagen.

Crab: O, er hat viele schlechte Streiche gemacht, das ist nicht zu läugnen.
Sir B.: Aber weil er Ihr Bruder ist
Crab: So sollen sie ein ander mal mehr erfahren.

Auf diese Weise hat er den Stachel der bei Molière noch gemäßigten Spöttereien verschärft, verdoppelt und ihn bis ins Herz gedrückt. Aber ist es möglich, sich bei einer so anhaltenden Salve von Bosheit und Witz zu langweilen?

Man beobachte auch, welche Veränderung unter seinen Händen der Heuchler erfährt. Zweifellos ist das Großartige der Rolle gänzlich verschwunden. Joseph Surface ist nicht mehr, wie Tartufe, der Träger der Idee, der Mittelpunkt des ganzen Lustspiels; er besitt nicht mehr, wie sein Ahne, die Natur eines Fuhrmanns, die Kühnheit eines Mannes der That, die Manieren eines Büttels, den Anstrich eines Mönches. Er ist lediglich egoistisch und vorsichtig; wenn

*) Sir B.: Mr. Surface, I did not mean to hurt you, but depend on't, your brother

utterly undone. Crab: 0 Lud, ay! undone as ever man was can't raise a guinea. Sir B.: Everything is sold, I'm told, that was moveable.

Crab.: I have seen one that was at his house. Not a thing left but some empty bottles that were overlooked, and the family pictures which I believe were framed in the wainscots.

Sir B.: And I'm very sorry also to hear some bad stories against him.
Crab: Oh! he has done many mean things, that's certain.
Sir B.: But, however, as he is your brother ... (Going).

Crab: Ay, as he is your brother, we'll tell you more another opportunity.

er in eine Intrigue verwickelt wird, so geschieht es fast gegen seinen Willen; er ist nur mit halber Seele dabei, wie ein correcter junger Mann, fein gekleidet, mit hübschem Einkommen, von Natur ängstlich und zaghaft, in seinen Manieren fein und ohne heftige Leidenschaften; Alles ist bei ihm süßlich und höflich; er ist ein Kind seiner Zeit, er trägt nicht Religion, aber Moral zur Schau; er ist ein Mann schöner Gefühle und Sentenzen, ein Schüler von Johnson oder von Rousfeau, ein Phrasenheld. In diesem ziemlich seichten und faden Men= ichen findet man nichts, um ein Drama aufzubauen, und die prächtigen Situationen, die Sheridan Molière entlehnt, verlieren die Hälfte ihrer Kraft, da sie auf einer so jämmerlichen Unterlage beruhen. Wie wird aber diese Unzulänglichkeit durch die Lebendigkeit, Fülle und Natürlichkeit der Handlung verhüllt! Wie genügt die Geschicklichkeit Allem! Wie scheint sie fähig, Alles, selbst das Genie zu erseßen! Wie lacht der Zuschauer, wenn er Joseph in seinem eigenen Zimmer gefangen sieht wie einen Fuchs in seinem Bau, genöthigt, die Frau zu verbergen und dann den Mann zu verstecken; gezwungen, von einem zum andern zu laufen, beschäftigt, die eine hinter seinen Schirm, den andern in sein Cabinet zu stecken; wenn er sieht, wie jener dazu gebracht wird, in seine eigene Falle zu gehen, die zu rechtfertigen, die er verderben will, den Gatten in den Augen seiner Frau, den Neffen in den Augen seines Onkels, den einzigen Mann zu ruiniren, den er rechtfertigen will, nehmlich den schäßbaren, makellosen Joseph Surface; wie er sich endlich Schlag auf Schlag lächerlich, verhaßt, beschämt, rettungslos vernichtet sieht, trok seiner Gewandtheit und gerade durch seine Gewandtheit; wie er fortschleicht, der arme Fuchs, mit eingezogenem Schwanze und geschundenem Felle, unter Geschrei und Hohngelächter! Und wie zu gleicher Zeit so nebenbei das Wortgezänk Sir Beters mit seiner Frau, die Soupers, die Lieder, der Verkauf der Bilder bei dem Verschwender in die Komödie ein zweites Lustspiel einflechten und das Interesse beleben durch neue Belebung der Aufmerksamkeit. Man denkt nicht weiter an die Abschwächung der Charaktere, wie man nicht weiter an die Abweichung von der Wahrheit denkt; man läßt sich durch die Lebens digkeit der Action hinreißen, wie man sich hat blenden lassen vom

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Glanze des Dialogs; man ist entzückt, applaudirt; man sagt sich, daß nächst schöpferischer Genialität Lehen und Wit die anmuthigsten Gaben der Welt sind; man genießt sie zu ihrer Zeit und findet, daß ihnen bei dem literarischen Gastmahle auch ein Blaß gehört, und daß sie, wenn sie auch die kräftigen Speisen, die reinen und edlen Weine des ersten Ganges nicht aufwiegen, so doch wenigstens das Dessert liefern.

Ist das Dessert vorüber, muß man vom Tische aufstehen. Nack Sheridan stehen wir sofort auf. Von nun an verfällt, erlischt das Lustspiel; es bleibt nur noch die Farce, z. B. „High Life Below Stairs“ von Townley, die Burlesken von George Colman, ein Hofmeister, eine alte Jungfer, Bauern mit ihrem Dialect. Die Carricatur überlebt die Malerei und der Punch errregt noch Gelächter, wenn die Tage der Reynolds und Gainsboroughs vorüber sind. Heutzutage gibt es in Europa fein dürftigeres Theater, und die gute Ger jellschaft überläßt es dem Volke, denn die Gesellschafts- und Geistess form, die es ins Leben gerufen hatte, ist verschwunden. Das Theater der Renaissance wurde in England durch die Lebendigkeit und Fülle originaler Conception gegründet, die sich nicht in vernunftgemäßen Betrachtungen ergehen und nach philosophischen Ideen formuliren konnte, die ihren natürlichen Ausdruck in mimischer Handlung und redenden Charakteren fand. Das englische Lustspiel des siebzehnten Jahrhunderts ward genährt durch die Bedürfnisse der feinen Gesellschaft, die, an die Vorstellungen bei Hofe und an das Schaugepränge der vornehmen Welt gewöhnt, auf der Bühne nur das Abbild ihrer Salons und ihrer Unterhaltungen suchte. Mit dem Verfalle des Hofes und mit dem Versiechen des dramatischen Talentes verschwinden das wahre Drama und das wahre Lustspiel. Sie gehen von der Bühne in die Bücher über. Der Grund dazu ist, daß man heutzutage nicht mehr in der Deffentlichkeit lebt wie die betreßten Verzöge zur Zeit Ludwigs XIV. und Karls II., sondern in der Familie oder am Studirtische; der Roman ersetzt das Theater, wie zugleich das bürgerliche Leben dem Hofleben folgt.

Bweites Kapitel.

Dry d e n. Das Lustspiel hat uns weit abgeführt; wir müssen zurückkehren und die anderen Dichtungsarten betrachten. Im Mittelpunkte der großen Strömung bewegt sich ein hervorragender Geist. In der Ges schichte dieses Talentes spiegelt sich die Geschichte des classischen Geistes. in England, seine Struktur, seine Lücken, seine Macht, seine Entstehung, seine Entwicklung wieder.

I.

Dryden's Debüt. Ende des poetischen Zeitalters. Ursache des Verfalls und

des Wiederaufblühens der literatur. Es handelt sich um einen jungen Mann, Lord Hastings, der im Alter von neunzehn Jahren an den Blattern starb:

Sein Leib ist ein Gestirn, sein hehrer Geist
Der Weisheit und der Tugend Pol umtreift.

Komm, weiser Ptolemäus, stebe zit,
Ob dieses Helden Höh' fannst messen Du.

Am Fleisch man ftolz geschwolne Blattern schaut,
Wie Rosenknospen in der Lilienhaut.
In jedem Maale eine Thrän' erscheint,
Als ob es seines Kommens Schuld beweint.
Zum Schmuck der Haut vielleicht sind's Edelstein,
Gesendet ihr, der reich’ren Seele Schrein.
Den Wechsel braucht zu fünden kein Romet,
Sein Leib ein Stern scheint, der am Himmel steht. *)

.

*) His body was an orb, bis sublime soul

Did move on virtue's and on learning's pole.

Mit solchen Versen debütirte Dryden, der größte Dichter des classischen Zeitalters in England.

Solche Ungeheuerlichkeiten verkünden das Ende einer literarischen Periode. Das Uebermaß poetischer Verkehrtheit führt, wie das Uebermaß politischen Druces, zu Revolutionen und sagt sie vorher. Die Renaissance gab in ungezügelter Driginalität die Geister dem ungestümen Feuer und den Launen der Phantasie, den wunderlichen Seltsamkeiten und Ausbrüchen einer ausschweifenden Begeisterung preis, die nur nach Selbstbefriedigung hascht, die in Sonderbarkeiten zu Tage tritt, die der Abwechselung bedarf und Kühnheit und Extravaganz liebt, wie die Vernunft Wahrheit und Richtigkeit. Das Genie erlosch, die Verkehrtheit blieb; als die Begeisterung geschwunden, fand man nichts als Abgeschmacktheit. Vormals wurden die „concetti“ und Verirrungen durch die Ausschweifung und das innere Feuer erzeugt und entschuldigt; nunmehr geschahen sie bei kaltem Blute, aus Bes rechnung, ohne Entschuldigung; sie bezeichneten ehemals den Zustand des Geistes, nunmehr dementiren sie ihn. So vollziehen sich literarische Revolutionen. Die Form, die nicht mehr originell und spontan, sondern nachgeahmt und übertragen ist, überlebt den alten Geist, der sie geschaffen hat, und widerstreitet dem neuen Geist, der sie vernichtet. Dieser vorläufige Kampf und diese progressive Umwandlung füllen das Leben Drybens aus und erklären sein Unvermögen, seinen Fall, sein Talent und seinen Erfolg.

Come, learned Ptolemy, and trial make,
If thou this hero's altitude canst take.

Blisters, with pride swell’d, which through's flesh did sprout,
Like rose-buds, stuck i'the lily skin about.
Each little pimple had a tear in it,
To wail the fault its raising did commit.
Or were these gems sent to adorn his skin,
The cabinet of a richer soul within ?
No comet need foretell his change drew on,
Whose corpse might seem a constellation.

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